Bericht über eigenen Erfahrungen

 

 

 

Auszug aus meinem Beitrag am Lymphtag

Als Schul-Mädchen war ich eigentlich immer zu kräftig und da ich durch die Kriegszeit lange Hungerperioden hinter mir hatte war ich eigentlich auch immer hungrig. Meine Klassenkameraden wollten mich beim Sport möglichst nicht dabei haben weil ich einfach viel zu ungelenk war. Da kam dann die freundliche Bitte:“ kannst du dich nicht krank melden“

Ich kam mit 14 Jahren aus der Schule und wog bereits 68 kg. Damals war die „Brigitte-Diät“ der letzte Schrei und so wurde ich von meiner Mutter entsprechend mit viel Quark ernährt. Daraus entwickelte sich eine Eiweißeinspeicherung an den Unterarmen und im Gesicht. Gleichzeitig machten mir Schmerzen beim Berühren meiner Knöchel Probleme ohne das ein Grund dafür gefunden wurde. Ich merkte das zum ersten Mal in einer Warmwasserbehandlung, als mich die Therapeutin dort anfasste um mich zu bewegen.

Bis zu meiner Schwangerschaft konnte ich mich so zwischen 70 und 75 kg halten. Nach der ersten Geburt klappte es auch mit dem runter hungern und meine Welt war wieder in Ordnung. Nach der zweiten Schwangerschaft kam dann aber alles anders. Ich musste trotz meiner beiden kleinen Kinder, die nur 14 Monate nacheinander geboren wurden mit meinem Gewicht kämpfen.
Die Schmerzen in den Beinen bereiteten mir weiterhin Schwierigkeiten, vor allem als dann die Kinder versuchten sich an meinen Beinen hochzuziehen um aufzustehen. Ich hätte gerne geweint, weil es so weh tat, wollte mich aber doch zu meinen Kindern freuen.

Als wir dann bauten und aufs Land zogen suchte ich mir einen neuen Arzt, der einige meiner Beschwerden lindern konnte, als aber die Wasseransammlungen in den Beinen immer mehr wurden schickte er mich zu einem Lymph-Therapeuten, der an meinen Beinen Lymphdrainage durchführte, das war in den Jahre 74/75. Zu der Zeit wussten die Ärzte noch sehr wenig über Lymphe und Ödeme. Es gab also keine Erfolge, vor allem weil am Bauch und am Hals nicht mitbehandelt wurde. Ich wurde in eine Kur geschickt, eigentlich wegen meiner Rückenbeschwerden. Hier erhielt ich aber auch Lymphdrainage und stellte fest, das sie doch erfolgreich war. Ich musste also den Behandler wechseln.

Jahre später wurde eine Reha in der Földi-Klinik durchgeführt und ich bekam erste Informationen zu meiner Erkrankung und die dicken Kompressionsstrumphhosen. Für mich als immer noch recht junge Frau war das erst einmal ein Schock ich trug gerne leichte Kleider, Pumps und ging gerne mit meinem Mann tanzen. Das ging nun mit diesen Strümpfen nicht mehr so gut. Außerdem hatte ich immer weiter zugenommen. Am Handgelenk und den Armen baute sich eine Art „Babyspeck“ auf, meine Hände schwollen an und ich wurde darauf angesprochen. Ich merkte erstmals, dass ich keine Ringe mehr tragen konnte, es half auch nicht sie zu weiten. Sobald ich Ringe an den Fingern hatte, schwollen meine Hände an.

Keiner hatte eine Idee was ich tun könnte. Nehmen sie doch mal ein paar kg ab und treiben sie Sport, dann wird es schon besser, hieß es. Ich wurde durch die Ernährungsberaterin in eine Fastenkur an den Bodensee geschickt. Als ich nach 4 Wochen Heilfasten nach Buchinger 3 kg abgenommen hatte, fragte mich der Arzt allen Ernstes wo ich denn immer im Kaffee gewesen sei, denn so etwas könnte doch gar nicht sein. Ich bin einfach nur aufgestanden und in mein Zimmer gegangen, so viel Unverständnis war entschieden zu viel für mich.

Die Frau eines Lymphtherapeuten gab mir ein Buch von Herrn Schnitzer und ich las einiges über tierisches Eiweiß, was mich stutzig machte. Da ich sowieso möglichst natürlich und mit Körnern usw. kochte, war es für mich einen Versuch wert. Ich ernährte mich also 2 Monate ohne dieses tierische Eiweiß und der Babyspeck verminderte sich auffällig. Damals gab es aber noch nicht die Informationen und Austauschlebensmittel wie heute. Ich hielt das also nicht länger durch, hatte auch Sorge, dass ich mangelernährt sein könnte.
Also kochte ich auch für mich wieder „normales“ Essen. Es war innerhalb der Familie auch sehr schwierig, denn meine Familie mochte gerne Fleisch und Wurst essen, wir haben sogar selbst geschlachtet.
Im Winter 2005 startete ich nochmals einen verzweifelten Versuch, ich hatte fast die 100 kg erreicht und das bei Essen auf Zuteilung und immer wieder verzichten. Über eine Adressenliste für Lymphärzte kam ich zu Dr. Weiss in Mannheim. Meine erste Überraschung war, dass es der Arzt aus den regionalen Fernsehen war. Er gab da einige allgemeine Ratschläge. Ich sagte ihm das und wollte eigentlich gar nicht erst anfangen, ließ mich aber doch überzeugen, der Leidensdruck war einfach zu groß.
Als Standard gab es einen bitteren Tee, Infusionen, dann gings in die Wärmekammer, tat mir nicht so gut. Heute weiß ich das es mit der Lympherkrankung zusammen hängt und ebenso gemieden werden sollte wie Sauna. Anschließend war Eiskabine angesagt. Nur mit festen Schuhen und Ohrenschützern bekleidet wird für 3-5 Minuten in der Kälte gelaufen. Das ist gewöhnungsbedürftig, lässt sich aber gut aushalten. 2-3-mal die Woche wurde eine Saugbehandlung an den betroffenen Körperteilen durchgeführt. Die Behandlung habe ich über einige Wochen durch gehalten, hatte auch Erfolg nur nicht auf Dauer. Außerdem musste ich die Rechnungen selbst bezahlen und irgendwann ist es auch genug.

Als 2006 meinen Mann starb und ich nach Norddeutschland zog, hatte ich weit über 90 kg angesammelt und war mit meinem Aussehen und meiner Figur sehr unglücklich. Mein Körper war voller Wasseransammlungen. Ich kam nochmals in eine Reha nach Zechlin. Hier wurde nun so ziemlich alles was ich bisher wusste auf den Kopf gestellt. Ich bekam ganz neue Informationen, wurde an beiden Beinen und Armen, sowie Händen gewickelt und später bestrumpft.

Es war Winter und glatt, einmal bin ich gerutscht und habe mir überlegt wer mich wohl errettet, denn alleine hätte ich nicht wieder aufstehen können – ich sah aus wie eine „Michelinemännchen“ Für mich ging eine Welt unter, wie sollte ich so unter „normale“ Leute gehen? Zu allem kam dann noch, dass ich die Handschuhe, die zu den Armstrümpfen gehörten nicht tragen konnte. Es war sehr schmerzhaft, was mir aber nicht geglaubt wurde, nur ein Therapeut erzählte mir von einer anderen Patientin, der es ebenso erging. Ohne Handschuhe konnte ich aber die Armbestrumpfung auch nicht tragen, denn die Hände schwollen mächtig an.
In der Klinik hatte ich Gewicht und Umfang verloren. Ich dachte, das kann ich halten. Es war aber nicht so. Da ich alleine wohnte, begann ich wieder mit dem Essen zu experimentieren, so konnte ich wenigstens eine weitere Zunahme verhindern.
Eines morgens beschloss ich dann wieder auf eine Ernährung ohne tierisches Eiweiß umzusteigen. Dieses Mal meldete ich mich aber zu einem Kochkurs an und entdeckte als erstes, dass dieses Essen richtig gut schmecken kann. Es ist zwar aufwendiger zu kochen, der Erfolg gibt mir Recht: Meine Beine werden schlanker vor allem aber die Hände und die Gelenke. Auch habe ich Gewicht verloren und durch den intensiven Sport fasst sich das richtig gut an.